Lexikon des NTD®

Definitionen und Begriffsklärungen

Hier wird das Verständnis wichtiger Begriffe des Neuen Triadischen Denkens erklärt und, wenn nötig, von anderen Definitionen abgegrenzt.

Definitionen sind für das NTD eine heikle Angelegenheit, weil Begriffe nach seinem Verständnis jeweils nur für eine bestimmte Praxis, mindestens einem Praxistyp, dieselbe Geltung beanspruchen können. Die folgenden Definitionen entspringen einer speziellen epistemologischen Praxis und gelten auch dort. Die meisten Begriff behalten in epistemischer Praxis ihren Sinn. Manche Begriffe behalten ihre Gültigkeit auch bei der Anwendung auf anderen Feldern, andere sind sehr speziell. Übertragungen müssen also geprüft werden und ggfs. sind Modifikationen erforderlich. Es ist mit den Definitionen wie mit allen anderen tools: Ohne Anamnese und Diagnose der Anwendungssituation - also der Art der Praxis -, kein sinnvoller Einsatz.
Um die Übersicht zu erleichtern, werden Verlinkungen von Texten in der Tiefe auf 2 Stufen begrenzt: Links aus einem Lemma des Lexikons auf ein anderes - und auf Texte außerhalb des Lexikons, also z.B. auf die Axiomatik - sind möglich. Ebenso kann man von den verlinkten Objekten auf eine weitere Ebene verwiesen werden. Nach dieser 3. Ebene ist Schluß: Die in den Popups eingepflegten Links werden dann zwar angezeigt, sind aber nicht belegt. Will der Leser sie verfolgen, kann er direkt auf die verlinkten Lemma bzw. andere Texte gehen. Diese Einschränkung gilt nicht für die Verlinkung von Modellen.



Systeme =

nach DIN 44300 begrenzte → Strukturen: "In einem betrachteten Zusammenhang eine Gesamtheit von Objekten, die sich aufgrund der Beziehungen der Objekte untereinander von ihrer Umwelt abhebt, davon abgegrenzt erscheint und daher ein als Einheit anzusehendes und gegliedertes Ganzes bildet." Konstitutiv für Systeme ist damit nicht nur eine bestimmte Komposition von Komponenten sondern auch die Abgrenzung dieser Komposition von der Umwelt. Dieser Systembegriff ist demnach zweidimensional. Er beschreibt → Strukturen und → Grenzen.

Der Systembegriff des NTD erweitert zum einen die in der Informatik übliche strukturelle Systemdefinition, indem er nicht nur Elemente ('Objekte') und Beziehungen ('Zusammenhänge') sondern auch Ebenen annimmt. Damit werden die Strukturen dreidimensional, erhalten eine → Architektur. Jede Architekturbildung erfordert in der Praxis immer eine Grenzgestaltung und damit ein Diskriminieren, ein Entscheiden, was dazu gehört und was nicht. Es macht dann keinen Sinn, von Systemen zu Reden, ohne die Grenzen der Bestände an Elementen und Beziehungen und Ebenen anzugeben.
Ein Unterschied zwischen dem triadischen Systembegriff und anderen liegt in der strukturellen Dimension darin, daß ersterer grundsätzlich drei Ebenen annimmt.
Alle strukturalistischen und mit System-Umweltbeziehungen arbeitenden Systemdefinitionen basieren letztlich auf Raumvorstellungen.
Das NTD verknüpft Raumvorstellungen mit dem abstrakten Dingmodell. Systeme sind danach auch ein Spezialfall der → Dinge - und sie erben folglich alle deren Merkmale. Wenn Systeme im NTD als Raum behandelt werden, dann wird dieser begrenzt - und gewinnt damit Dingcharakter, wird zu einer geschlossenen Architektur. Wenn im NTD von 'Systemen' statt von 'Dingen' gesprochen wird, dann geschieht es zum einen dann, wenn die Beziehungen der Dinge zur Umwelt fokussiert, prämiert werden sollen.

Diese Interpretation deckt sich mit den meisten Definitionen von 'Ökosystemen', in denen ebenfalls der Umweltbezug, der Sitz der Dinge in der Welt/Natur fokussiert werden. Die Schließung der Strukturen und Netze hat die in der DIN-Definition schon angegebenen Folgelasten. Es gibt eine Mitte, ein Medium, eine Relation zwischen dem System und der Umwelt mit ihren offenen Strukturen: die → Grenze. Sie ist im Verständnis des NTD ebenfalls dreidimensional ausgedehnt. Jede Grenze erzeugt ein Innen, ein Außen und Zwischen- oder Übergangsräume. Jede Grenze schafft sowohl eine (Austausch)Beziehung zwischen dem System und der Umwelt als auch eine Differenz zwischen ihnen - deshalb kann man auch eine Differenzierungsdimension bei Systemen annehmen. Jede Grenze hat Grenzübergänge. Sie regeln den Austausch mit der Umwelt.
Zweitens ist es nicht üblich, Menschen und soziale Gemeinschaften als Dinge zu bezeichnen. Deshalb hat sich als Oberbegriff 'System' angeboten.
Struktur- bzw. Architekturaufbau und -erhalt sowie die Ein-, Um- und Abgrenzung der Systeme ziehen als Folgelast die Einführung einer temporalen&/dynamischen Dimension nach sich: Systembildung und -erhalt erfordern Zeit, Prozesse und Energien.
In der Informatik hat sich deshalb das Modell der kybernetischen Systeme entwickelt. Steuerung und Regelung der Prozesse in den Systemen sind zu beschreiben, Energien - aus der Umwelt - zuzuführen und zu verteilen.
Das Standarssystemmodell des NTD arbeitet folglich mit drei Dimensionen: einer temporalen, meist 'dynamisch' genannten, einer architektonischen (räumlichen) und einer (differentiellen) Dimension, in der die Grenzen, hier die System-Umwelt Beziehungen (→ SUB), zu klären sind.
Standardsystemmodell des NTD

Die Dimensionen lassen sich als Faktoren einer Triade verstehen, und können dann selbst auch wieder als → Komposition aus Komponenten verstanden werden, was zu einer Triadentrias als Systemmodell führt. Dimensionen von Systemen
System ist für den Triadiker ein anderer Ausdruck für endliche Komposition. Zu unterscheiden sind die Komposition der Dimensionen und die Kompositionen, aus denen die Dimensionen erst entstehen.

Es ist schwierig, für die Faktoren des Standardsystemmodells Worte zu finden, die in allen Anwendungsfällen gleichermaßen geeignet sind. Es ist so abstrakt, daß es bei jeder Anwendung konkretisiert wird und entschieden werden kann, ob z.B. von der Architektur oder der Komposition, von der SUB-Dimension oder der Differenzierungsdimension gesprochen wird. Hauptsache, der Begriff bleibt klar.

Die größte Anwendug findet das Stadardsystemmodell bei der Beschreibung von Praxissystemen.

→ Praxissysteme
Das triadische Praxisystemmodell ist gleichzeitig eine Anleitung, ein Programm zur Gestaltung der Praxis.
Triadentrias derPraxissysteme
In Praxissystemen ist die Umweltbeziehung immer eine relevante Dimension, Grenzgestaltung ein permanentes Problem.
Eine Folgelast der dreidimensionalen Modellierung von Systemen ist, daß jede Anwendung der Modelle, jede Gestaltung von Praxissystemen, eine Dimension prämieren muß und damit eine Hierarchie zwischen dynamischen, architektonischen und der SUB-Dimension erzeugt wird. Das NTD legt sich, im Gegensatz zu strukturalistischen, dynamischen und ökologischen Systemtheorien nicht auf eine obligatorische Prämierung einer Dimension fest, sondern überläßt diesen den Anforderungen der jeweiligen Praxis, in das Systemmodell verwendet wird.
Jedes Praxissystem ist - wie die Praxis überhaupt - ein Teil der Welt und erbt nach triadischem Verständnis die Parameter der Welt, mindestens des Kosmos: Zeit, Raum und Dinge. Sie bilden sich in den drei Dimensionen der Standardsystemtriade ab.
Systeme als Teil der Welt

Zur Beachtung!

Die Grundeinheit des NTD® und der triadischen Praxeologie ist die Praxis nicht das Praxissystem - und schon gar nicht ein abstraktes Systemmodell. Das NTD prämiert die dynamische Dimension der Dinge und es fragt, durch welche Prozesse die Architekturen und Grenzen stabil werden. Praxissysteme sind das Ergebnis einer systemischen → Komplexitätsbewältigung in der Praxis. Sie unterscheidet sich von anderen Aktivitäten dadurch, daß sie auf eine endliche Komposition aus endlichen Elementen, Ebenen und Beziehungen abzielt.
Die Praxis hat die gleichen Dimensionen wie die Praxissysteme, sie ist dreidimensional. In allen drei Dimensionen muß die Praxis endlich werden, um einen Systemcharakter zu erhalten. Eine endliche Komposition kann die Praxis nur phasenweise erzeugen und erhalten.

lexikon, id974, letzte Änderung: 2021-10-17 20:23:50

© 2021 Prof. Dr. phil. habil. Michael Giesecke