Axiomatik



Die Emergenz der Welt in der Praxis

Die Triadische Praxis ist ein Teil der Welt unter vielen. Welt → Sie unterliegt den Strukturen und Regeln des → Kosmos . Was immer der Kosmos noch sein mag, er entsteht aus dem Zusammen- und Gegeneinanderwirken von Raum, Dingen und Zeit. (RaDiZe-Triade) Mit diesen drei Parametern muß sich jede TriPrax auseinandersetzen und sie bestimmen auch ihre Dimensionen.

Es gilt die Regel: Betrachte, behandele und denke die Praxis als ein Element in einer - triadischen - Welt mit den Parametern: Raum, Dinge und Zeit!
Die Parameter des Kosmos werden an die Praxis - als ein Bestandteil des Kosmos und der Welt - vererbt. Zugleich gestaltet die Praxis die Welt, verändert ihre Komponenten und Komposition.
Dimensionen der Praxis
Die Praxis

  • nimmt Raum ein und hat eine Architektur,

    Jede Praxis dehnt sich im Raum aus, nimmt Raum ein. Es kann zu Kollisionen mit anderen Räumen kommen. Immer wenn um den 'Kampf um (Lebens)Räume' gestritten wird, ist dieser Raumbegriff gemeint.
    Alle Räume haben eine Architektur. Die Architektur ist eine Komposition von Komponenten: Elementen, Beziehungen und Ebenen. Jede Praxis komponiert/relationiert die Komponenten: stellt also mindestens Relationen zwischen Elementen, zwischen Ebenen und zwischen Beziehungen her.

  • ist ein Ding auf unterschiedlichen Emergenzniveaus,

  • verläuft in der Zeit, ist im Wandel und verwandelt.
    Praktiken
    Raum, Dinge und Zeit sind Komponenten einer Komposition, befinden sich also immer in Beziehungen. Sie bilden untereinander eine Trias → . Es gibt keine zeitlosen Räume oder Körper, keine raumlosen Vorgänge und Dinge, und keine leeren Räume oder Bewegungen in der Zeit ohne Dinge. Die Komponenten der Welt - und so auch die Komponente Praxis - emergieren auf verschiedenen Seinsstufen/Ebenen und Metamorphosen und Wandel sind unvermeidlich. (Triadische Weltanschauung)
    Es gilt die Regel: Betrachte, gestalte und denke die Praxis als ein Element mit dynamischen, räumlichen und ontologischen Dimensionen in einer Welt mit den gleichen Parametern.
    Auch diese Basiskomponenten der Welt haben triadische Qualitäten. Die konstitutiven Triaden für die Emergenz der Parameter der Welt in der Praxis sind:

  • Dinge: Materie/Masse, Information und Energie → ,

  • Räume: Volumen-, Koordinaten- und Interaktionsraum → ,

  • Zeiten: Objektzeit, Prozeßzeit und Zeitraum → .


Der Raum erscheint dem Triadiker in der Praxis dreifach: als Raum in dem er sich befindet (Innenraum mit Koordinaten), als Körper mit Volumen und als Interaktionsraum zwischen den Körpern/Innenräumen (Zwischenraum). Alle menschliche, soziale und kulturelle Praxis findet in Räumen statt. Sie befindet sich an Orten, deren Koordinaten sich so oder so bestimmen lassen. Jede Verabredung zu Treffen macht Ortsangaben, jede Werkstatt ist räumlich so geordnet, daß die Handwerker kurze Wege haben und Anweisungen wie rechts, vorne, weiter hinten usf. befolgt werden können. Dies setzt ein mehr oder weniger skaliertes Koordinatenraumverständnis voraus.


Die Zeit erscheint dem Triadiker in der Praxis als Konglomerat von Prozessen und diese dreifach: als Veränderung der Dinge, als Bewegung der Körpern im Raum und als Ablauf von Ereignissen (Chronik).
Alle Prozesse haben eine Dynamik (Geschwindigkeit, Beschleunigung) eine endliche, einseitig bestimmte oder unendliche Dauer und einen Verlauf mit (drei) Phasen.

Die Dinge emergieren den Praktikern in der Praxis als Information, Materie und Energie. Alle Dinge haben Grenzen und Beziehungen zur Umwelt: Kein Ding steht allein, immer hat es einen Ort in der Architektur der Räume: es emergiert als Element auf Ebenen und in Beziehungen zu anderen Dingen. Die Dinge befinden sich in beständigen Transformationen zwischen Seinsstufen.


Es macht - für den Triadiker - keinen Sinn von Raum zu reden ohne von Architektur.
Es macht keinen Sinn von Architekturen zu reden ohne von Ebenen - und umgekehrt.
Es macht keinen Sinn von Zeit zu reden ohne von Prozessen.
Es macht keinen Sinn von Dingen zu reden ohne von Grenzen und Emergenzen.

Die Grundannahmen über die Komponenten der triadischen Welt werden in einer Triadentrias zusammengefaßt.

Die Praxis ist im Verständnis des NTD immer zugleich ein Konglomerat von Prozessen, Räumen und Dingen. Sobald man sie gestaltet oder über sie nachdenkt, tritt eine dieser Dimensionen in den Vordergrund. Diese Prämierung ist unvermeidlich und ihre Berücksichtigung gehört zu den innovativen und obligatorische Merkmale des NTD. Wenn im NTD von der'Praxis' gesprochen wird, dann steht immer die dynamische Dimension im Vordergrund. Die Praxis wird - in erster Linie - als Prozeß betrachtet.

Dies ist eine axiomatische Festlegung.

Wenn die Praxis als Ding mit Grenzen in einer Umwelt betrachtet oder gestaltet wird, und die Beziehungen zur Umwelt in den Vordergrund gerückt werden, spricht der Triadiker von 'Praxissystemen'.

Die Entscheidung, den Prozeßcharakter der Praxis zu prämieren hat wissenschaftspolitische und theoretische Gründe. Bislang standen eher die Dinge als die Prozesse im Mittelpunkt wissenschaftlicher Bemühungen - und auch die Berücksichtigung der Beziehungen zu anderen Dingen im Umweltraum war nachrangig. Das ändert sich augenblicklich mit der Durchsetzung ökologischer Konzepte und dem Bedeutungszuwachs von Modellen des Wandels. Die Betonung der dynamischen Dimension der Praxis ist insofern zeitgemäß und kann historische Vernachlässigung dieser Dimension kompensieren. Für die Theorie ergibt sich die Aufgabe, Stabilität und Grenzen der Dinge bzw. der Systeme aus der Interaktion von Prozessen herzuleiten. Das Umgekehrte, die Dinge zu setzen und danach zu suchen, welche Bewegungen sie ausführen können, hielt die Wissenschaften lange genug in Atem. Es ist das Denkmuster des mechanischen Zeitalters. Es bleibt notwendig, aber ihm muß eine weniger dominante Position zugewiesen werden.

axiomatik, id163, letzte Änderung: 2021-10-08 10:11:12

© 2021 Prof. Dr. phil. habil. Michael Giesecke