Lexikon des NTD®

Definitionen und Begriffsklärungen

Hier wird das Verständnis wichtiger Begriffe des Neuen Triadischen Denkens erklärt und, wenn nötig, von anderen Definitionen abgegrenzt.

Definitionen sind für das NTD eine heikle Angelegenheit, weil Begriffe nach seinem Verständnis jeweils nur für eine bestimmte Praxis, mindestens einem Praxistyp, dieselbe Geltung beanspruchen können. Die folgenden Definitionen entspringen einer speziellen epistemologischen Praxis und gelten auch dort. Die meisten Begriff behalten in epistemischer Praxis ihren Sinn. Manche Begriffe behalten ihre Gültigkeit auch bei der Anwendung auf anderen Feldern, andere sind sehr speziell. Übertragungen müssen also geprüft werden und ggfs. sind Modifikationen erforderlich. Es ist mit den Definitionen wie mit allen anderen tools: Ohne Anamnese und Diagnose der Anwendungssituation - also der Art der Praxis -, kein sinnvoller Einsatz.
Um die Übersicht zu erleichtern, werden Verlinkungen von Texten in der Tiefe auf 2 Stufen begrenzt: Links aus einem Lemma des Lexikons auf ein anderes - und auf Texte außerhalb des Lexikons, also z.B. auf die Axiomatik - sind möglich. Ebenso kann man von den verlinkten Objekten auf eine weitere Ebene verwiesen werden. Nach dieser 3. Ebene ist Schluß: Die in den Popups eingepflegten Links werden dann zwar angezeigt, sind aber nicht belegt. Will der Leser sie verfolgen, kann er direkt auf die verlinkten Lemma bzw. andere Texte gehen. Diese Einschränkung gilt nicht für die Verlinkung von Modellen.



Prozeß =

geht auf die lateinische Wurzel 'procedere', 'vorwärts Gehen' oder 'Laufen' zurück, ein semantisch arg überlastetes Wort mit komplexer etymologischer Geschichte aber ohne sicheren Begriff. Die größten definitorischen Anstrengungen finden sich gegenwärtig in der Betriebswissenschaft mit Bezug auf ein 'Prozeßmanagement'. Prämiert wird dort der Linearprozeß mit klaren Vorgaben und Zielen, determiniertem Ablaufschema, Kennzahlen, Prozeßverantwortlichen u.v.a.m. Allgemeiner und in teilweiser Übereinstimmung mit dem NTD bestimmt DIN66201 den Prozeß als eine "Gesamtheit von aufeinander einwirkenden Vorgängen in einem System, durch die Materie, Energie oder Information umgeformt, transportiert oder gespeichert wird".
Prozesse, triadisch verstehen
Das NTD kann sich auf Prozesse in der menschlichen, sozialen und kulturellen Praxis und die → Praktiken beschränken. Dennoch hat das Wort einen weiten Anwendungsbereich.


Prozesse emergieren auf allen drei Parametern der Welt gleichzeitig und haben deshalb auch immer die drei Dimensionen: Bewegen im Raum, Transformieren der Dinge, Verlauf in/Verbrauch von Zeit.

  • Der Prozeß der Praxis ist das emergente Produkt des Veränderungsprozesses der Dinge, dem Verlaufsprozeß in der Zeit und dem Bewegungsprozeß im Raum.
    Prozesse_typen_Welt
    In der Triade der Zeitkonzepte wird die Prozeßverlaufszeit neben der Objekt- und der Koordinatenzeit behandelt.
    Prozesse emergieren dem Praktiker, wenn die Dimension der Zeit in der Welt prämiert, Bewegungen und Veränderungen fokussiert werden. Die Alternative ist es, Zustände von Dingen und stabile Strukturen in Beziehungsräumen zu fokussieren.

    Alle Prozesse lassen sich nach Richtung/Ziel, Geschwindigkeit und Dauer/Alter beschreiben und gestalten.
    Je nach den Parametern der Welt, werden die Faktoren anders benannt/sind zu präzisieren.
    Obligatorisch ist die Unterscheidung der drei Richtungen: linear, zirkulär, parallel. (auch: kybernetische Prozeßtypen) Die Abkürzung ist: LiPaZe. P. im Sinne des NTD sind also nicht auf Linearprozesse festgelegt.
    Prozeßtypen
    Alle Prozesse haben eine Geschwindigkeit. Meist reicht es auch Beschleunigen, Verlangsamen und ein eine konstante Geschwindigkeit zu unterscheiden.

    Wenn man hohe Geschwindigkeit oder Beschleunigung hervorheben will, kann man von dynamischen Prozessen sprechen. Dynamisch können nur Prozesse sein, aber nicht alle Prozesse verdienen das Attribut dynamisch.

    Jeder Prozeß hat eine Dauer, aber nicht immer läßt sie sich bestimmen. Es bietet sich oft an, mit der Quantitätstriade zu arbeiten und endliche Prozesse und unendliche Prozesse zu unterscheiden. Wobei letztere im Prinzip und vor allem im Nachhinein in der Praxis zu bestimmen sind und solche, die ins Universum reichen und für die Praktiker nicht zu quantifizieren sind.
    Prozeßverlauf

  • Die Prozesse in der Praxis sind

    • permanent: Es gibt kein zeit- bzw. prozeßlose Praxis. → Zeit

    • diskontinuierlich: Die Prozesse - und damit die Praxen - sind zwar permanent, aber sie sind auch diskontinuierlich Sie werden sequenziert und auch die Sequenzen lassen sich in Phasen unterteilen.

      Nach triadischem Verständnis hat die Praxis einen Verlauf, der zu einem Ablauf mit drei Phasen zu ordnen ist.

    • zahlreich, und müssen deshalb selektiv behandelt (prämiert) und modelliert/typisiert und klassifiziert werden.

Alle Prozesse sind - als Objekte triadischer Praxis - komplex. Es gilt die Komponententriade: Elemente, Beziehungen, Ebenen. Die 'Elemente' der Prozesse sind Ereignisse. Diese erzeugen spezifische Formen von Beziehungen, Ereignisketten, die sich in der Praxis zu Ablaufschema mit Phasen ordnen lassen.


Die Unterscheidung zwischen Prozessen und Relationen/Beziehungen ist selbst relativ: Jeder Prozeß stellt Beziehungen zwischen Ereignissen her und relationiert insoweit. Jede Beziehung existiert in der Zeit und muß in der Praxis durch Prozesse hergestellt werden.

  • Immer laufen mehrere Prozesse nebeneinander ab.
    In jeder Praxis gibt es ein Konglomerat von Prozessen, die mehr oder weniger stark in Interaktion treten bzw. von den Praktikern gebracht werden. Es entstehen dann Kompositionen von Prozessen.
    Das NTD sieht nicht nur die Vielzahl von Prozessen, sondern es sieht auch mannigfaltige Arten von Prozessen. Es gibt also ähnliche/gleichartige und artverschiedene Prozesse.
Damit erhält das triadische Prozeßmodell Ebenen.

Immer laufen artverschiedene Praxisprozesse parallel nebeneinander her, deren Interferenzen zu berücksichtigen sind. Besonders wichtig ist es, die zweckrationalen linearen Prozesse der individuellen Klasse der Praxis von parallelen Prozessen der kommunikativen Klassen sowie von den zirkulären Prozessen der synergetischen kulturellen Klasse der Praxis in ihrer Interaktion zu beobachten und diese zu gestalten!

  • Prozeßgestaltung
    Aus der Vielzahl paralleler Prozesse ergibt sich in der Prozeßgestaltung die Aufgabe, funktional angemessene Prozesse und Prozeßtypen auszuwählen, sie zu kombinieren und zwischen ihnen zu wechseln.

Prozesse werden durch Werte gesteuert und durch Programme geregelt. Prozesse beschreibt/modelliert das NTD durch Programme. Alle drei → Prozeßtypen: lineare, zirkuläre und parallele, werden in der Praxis gestaltet.

Im kybernetischen Paradigma wird jeder Prozeßsteuerung durch Werte bestimmt. Dazu treten Regelungsprozesse, die die Einrichtung von Rückkopplungskreisen erfordern. Hinzukommt das permanente Probleme der Bewältigung der Komplexität der vielen Prozesse und Prozeßtypen durch Selektion und Kombination.

Prozessgestaltung

lexikon, id946, letzte Änderung: 2021-11-03 20:16:14

© 2021 Prof. Dr. phil. habil. Michael Giesecke