Lexikon des NTD®

Definitionen und Begriffsklärungen

Hier wird das Verständnis wichtiger Begriffe des Neuen Triadischen Denkens erklärt und, wenn nötig, von anderen Definitionen abgegrenzt.

Definitionen sind für das NTD eine heikle Angelegenheit, weil Begriffe nach seinem Verständnis jeweils nur für eine bestimmte Praxis, mindestens einem Praxistyp, dieselbe Geltung beanspruchen können. Die folgenden Definitionen entspringen einer speziellen epistemologischen Praxis und gelten auch dort. Die meisten Begriff behalten in epistemischer Praxis ihren Sinn. Manche Begriffe behalten ihre Gültigkeit auch bei der Anwendung auf anderen Feldern, andere sind sehr speziell. Übertragungen müssen also geprüft werden und ggfs. sind Modifikationen erforderlich. Es ist mit den Definitionen wie mit allen anderen tools: Ohne Anamnese und Diagnose der Anwendungssituation - also der Art der Praxis -, kein sinnvoller Einsatz.
Um die Übersicht zu erleichtern, werden Verlinkungen von Texten in der Tiefe auf 2 Stufen begrenzt: Links aus einem Lemma des Lexikons auf ein anderes - und auf Texte außerhalb des Lexikons, also z.B. auf die Axiomatik - sind möglich. Ebenso kann man von den verlinkten Objekten auf eine weitere Ebene verwiesen werden. Nach dieser 3. Ebene ist Schluß: Die in den Popups eingepflegten Links werden dann zwar angezeigt, sind aber nicht belegt. Will der Leser sie verfolgen, kann er direkt auf die verlinkten Lemma bzw. andere Texte gehen. Diese Einschränkung gilt nicht für die Verlinkung von Modellen.



Programme =

ursprünglich aus dem Griechischen für Vorschriften (für Veranstaltungen), Durchführungs- oder Ablaufplan. In der Informatik werden darunter Algorithmen verstanden, die Prozesse steuern und regeln. Im NTD ein Typus von Informationen neben den Daten und Werten. Programme und → Modelle liegen auf gleichem Emergenzniveau.

Programme sind der dynamische Spezialfall von Modellen über dynamische Objekte - Modelle sind dann statische Modelle über Zustände von Objekten, letztlich Momentaufnahmen aus dem Wandel der Dinge und Räume.

Während die Modelle Auskunft über die Zustände der Phänomene, Objekte und Gegenstände der Wahrnehmung, des Denkens und Handelns geben, sagen die Programme, wie sie erzeugt und gestaltet werden, beschreiben die dynamischen Dimensionen der Dinge. Deshalb gibt es theoretisch zu allen Modellen auch Programme und alle Programme erzeugen Modelle. (Z.B.: Beziehung - Beziehungsgestaltung, Komplexität - Komplexitätsbewältigung)
Die Unterscheidung zwischen Modellen und Programmen ist also relativ: Jedes Modell kann als Programm dienen und alle Faktoren der Praxis steuern. Und alle Programme lassen sich auch als Modelle über Objekte verstehen. Eben deshalb bilden sie gemeinsam einen Faktor der Informationstypentriade.
Programme ordnen Abläufe für die Praxis und ihre Bestandteile, vor allem für die Praktiker. Die P. können mehr oder weniger genau formuliert sein und haben entsprechend einen mehr oder weniger weiten Geltungsbereich.
Triadische Programme können nur temporär einzelne Prozesse isolieren, ihr Ziel ist es, den Wandel als Interaktion von drei Prozessen zu verstehen. Das NTD nimmt für alle Prozesse drei Generalphasen an: Vorbereiten und Starten, Laufen/Funktionserfüllung und Beenden. Diese Phasen lassen sich weiter untergliedern. Alle Phasen werden durch eigenen Programme gesteuert und geregelt. Starten, Laufen, Stoppen sind Faktoren aller Programme. Programme werden entwickelt, angewendet und beurteilt/evaluiert.
Die Beurteilung setzt Kriterien, Werte als dritten Typ der Informationstypentriade des NTD, voraus. Dem entsprechen unterschiedliche Existenzformen der Praktiker: Entwickler, Anwender, Tester sowie unterschiedliche Aktivitätsklassen: Konstruieren, Anwenden und evaluieren. Nach der Höhe des Abstraktionsgrades kann man - absteigend - Maximen, Regeln und komplexe Programme unterscheiden.
Maximen ('Heirate Deinen Feind!') und Regeln ('Eins nach dem anderen!') werden im Alltag und im NTD verwendet, ohne daß sie triadisch aufgebaut sein müssen. Triadische Programme sind im Gegensatz dazu grundsätzlich triadisch aufgebaut, bestehen also aus drei Phasen, sind das emergente Produkt von drei Prozessen, Abläufen oder ähnlichen Faktoren. 'Programme' werden, wenn es auf Differenzierungen nicht ankommt, als Oberbegriff pars pro toto genommen.
Maximen, Regeln und Programme werden in jeder Praxis - mehr oder weniger explizit - in ein Verhältnis gesetzt. Z.B. gibt es für die meisten Programme Maximen für den Fall, daß es Schwierigkeiten bei der korrekten Durchführung gibt. Maximen für den Umgang mit Abweichungen sind bei vielen sozialen Programmen vorgesehen. Triadische Programme ordnen die Prozesse triadisch. Ihr Einsatz in der Praxis hängt immer von architektonischen, dinglichen (Ressourcen) und zeitlichen Voraussetzungen ab, die geprüft werden sollten.

Typologien und Klassifikationen

Es gibt viele Möglichkeiten, die Programme zu klassifizieren. Relevant sind für das NTD die Klassifikationen nach den Objekten, Praktiken und Praxisklassen. Die Klassifikationskriterien lassen sich kombinieren. Als Objekte kommen alle Bestandteil des Universums, Dinge, Zeiten, Räume und ihre vielen Gliederungen (Transformation von Information, Materie, Energie; Zeitmanagement, Design von Körpern und Räumen) in Frage.

Charakteristisch für das NTD ist die Unterscheidung der Programme des Wahrnehmens, Denkens und Handelns der Subjekte der Praxis. Zu allen drei Praktiken gibt es gemeinsame und spezifische Programme.

Obligatorisch zu unterscheiden sind weiterhin die Programme für die individuelle, die soziale und die kulturelle Praxis.

Jedes Individuum folgt einer Vielzahl von biographisch gewordenen Regeln, Maximen und Programmen in seiner Praxis. Sie bestimmen, wie der Tagesablauf idealerweise zu gestalten ist, welche Tätigkeiten als angemessen gelten und wie sie durchzuführen sind usf.. Programme für die soziale Praxis werden meist als institutionelle Normen, als soziale Gesetze, als Regeln z.B. des Verkehrs o.ä. bezeichnet. Aus ihnen leiten sich die Programme für das Handeln, Wahrnehmen und Denken der Praktiker als Subjekte ab. In den kulturellen Ökosystemen gelten auch autonome artfremde Regeln und Programme, die in Interaktion zu den menschlichen Programmen treten, Naturgesetze, technisch notwendige Abläufe, biologische Programme. Hier wirken immer unterschiedliche Klassen von Programmen zusammen und deren Ergebnis läßt sich durch die menschliche Programmatik nicht bestimmen, nur mitbestimmen.

lexikon, id945, letzte Änderung: 2021-04-07 11:31:04

© 2021 Prof. Dr. phil. habil. Michael Giesecke