Lexikon des NTD®

Definitionen und Begriffsklärungen

Hier wird das Verständnis wichtiger Begriffe des Neuen Triadischen Denkens erklärt und, wenn nötig, von anderen Definitionen abgegrenzt.

Definitionen sind für das NTD eine heikle Angelegenheit, weil Begriffe nach seinem Verständnis jeweils nur für eine bestimmte Praxis, mindestens einem Praxistyp, dieselbe Geltung beanspruchen können. Die folgenden Definitionen entspringen einer speziellen epistemologischen Praxis und gelten auch dort. Die meisten Begriff behalten in epistemischer Praxis ihren Sinn. Manche Begriffe behalten ihre Gültigkeit auch bei der Anwendung auf anderen Feldern, andere sind sehr speziell. Übertragungen müssen also geprüft werden und ggfs. sind Modifikationen erforderlich. Es ist mit den Definitionen wie mit allen anderen tools: Ohne Anamnese und Diagnose der Anwendungssituation - also der Art der Praxis -, kein sinnvoller Einsatz.
Um die Übersicht zu erleichtern, werden Verlinkungen von Texten in der Tiefe auf 2 Stufen begrenzt: Links aus einem Lemma des Lexikons auf ein anderes - und auf Texte außerhalb des Lexikons, also z.B. auf die Axiomatik - sind möglich. Ebenso kann man von den verlinkten Objekten auf eine weitere Ebene verwiesen werden. Nach dieser 3. Ebene ist Schluß: Die in den Popups eingepflegten Links werden dann zwar angezeigt, sind aber nicht belegt. Will der Leser sie verfolgen, kann er direkt auf die verlinkten Lemma bzw. andere Texte gehen. Diese Einschränkung gilt nicht für die Verlinkung von Modellen.



Praxis, kulturelle =

eine Klasse und Dimension menschlicher Praxis. Das NTD begreift Kulturen als einen Spezialfall von Ökosystemen, nämlich solchen, in denen der Mensch als Gattungswesen als Katalysator auftritt oder/und die Dynamik der Praxis dominiert. (Giesecke,Von den Mythen der Buchkultur.., Ffm. 2002)


Wenn man einen weiten Praxisbegriff, der auch nicht-menschliche Praxis umschließt, für sinnvoll hält, wird man nach einer abstrakteren Kategorie suchen müssen. Spätestens dann bietet sich der Begriff 'ökologische' Praxis an. Ob der Triadiker in Bezug auf die menschliche Praxis von 'kultureller' oder von 'ökologischer' Praxis spricht ist bislang weitgehend gleich.

Kulturelle Modelle prämieren die Energie und kreisförmige Prozesse.

  • Alle kulturelle Praxis ist im Verständnis des NTD dadurch ausgezeichnet, daß Menschen - auf den unterschiedlichen Emergenzniveaus - als obligatorisches Element der Architektur auftreten. Die anderen Elemente sind artverschieden; üblicherweise spricht man dann von 'Natur' und 'Technik'. Es ist eine empirische Frage, welcher Faktor/welches Element als Katalysator der kulturellen Praxis auftritt.


    Kulturelle Eveolution wird in der Neuzeit häufig durch technische Neuerungen angestoßen, es können aber auch Faktoren, wie der "Klimawandel" oder neue Normen sozialer Praxis (z.B. die Einführung von Wahlen) zu alternativer kultureller Praxis führen.

    Wenn die Praxis kann als kulturelles System beschrieben und gestaltet wird, dann sind Menschen ein Faktor neben 2 anderen Faktoren. In kulturellen Ökosystemen sind die Faktoren artverschieden aber prinzipiell gleichwertig und stehen in permanenten Wechselbeziehungen. Es macht deshalb auch nur selten Sinn mit Subjekt-Objekt-Unterscheidungen zu arbeiten. Alle Faktoren sind Vektoren, von denen Energien ausgehen, die zur Systembildung führen können. Wenn man einen Faktor in seiner Wirkung auf die Praxis prämieren will spricht man besser von 'Katalysatoren'.

  • Alle kulturelle Praxis ist ökologischen Praxis. Sie ist bestrebt, Ökosysteme zu bilden und zu erhalten. Sobald sich eine Praxis umgrenzt hat, hat sie bestimmte begrenzte Ressourcen und muß mit diesen umgehen. Wenn eine kulturelle Praxis die Umweltbeziehungen prämiert, spricht der Triadiker häufig von ökologischer Praxis.
    Das NTD verwendet die Begriffe 'ökologisch' und 'kulturell' weitgehend synonym, weil alle Kulturen Ökosysteme sind.

  • Alle kulturelle Praxis ist synergetische Praxis. Synergetische Praxis ist eine Praxis, deren prämierter Zweck die Erzeugung von Synergie, die Steigerung der Energie von Systemen, ist. Die Energieoptimierung durch zirkuläre Kopplung von - im NTD in jedem konkreten Fall auf drei zu reduzierende - energetischen Prozessen erreicht.
    Die dynamische Dimension kultureller Praxis entsteht also durch die Prämierung zirkulärer Prozesse.


    Synergetische Phänomene werden mit synergetischen Triaden beschrieben. Es ist möglich, Objekte bzw. Faktoren der anderen Klassen der Praxis als ökologische Systeme mit synergetischen Triaden zu beschreiben und zu gestalten. Dann tauchen keine Menschen als energetische Kraft auf. Solche Modelle werden in den Natur- und Technikwissenschaften häufig benutzt und oftmals als Ökosystem auch bezeichnet.

Für alle Kulturen/Ökosysteme akzeptiert das NTD den 1. Hauptsatz der Thermodynamik, der die Energieerhaltung in Systemen, und damit auch in jeder begrenzten Praxis, behauptet. Aus dem Satz folgt, daß es in der ökologischen, synergetischen Praxis nur um die Umwandlung, die Transformation von Energien gehen kann. Die energetischen Ressourcen jeder als Ökosystem verstandenen kulturellen Praxis sind begrenzt.


Für den Triadiker, der eine ökologisch-synergetische Praxis beschreiben oder gestalten will, macht es keinen Sinn, allgemein von 'Energieverbrauch' oder 'Energiefressern' zu sprechen. Auch der 'Verbrauch' einer bestimmten Klasse von Energie erzeugt Energie, die man herbei wünschen mag oder nicht. Die Reduktion thermischer Energie in einer Sphäre steigert andernorts Energie. Wir haben es mit Kreisprozessen zu tun. Die Dinge erscheinen in der Praxis jeweils in bestimmten Aggregatzuständen. Das NTD spricht auch von Emergenzstufen. Die Prozesse der Transformation - oder des Wandels - der Aggregatzustände stehen immer im Zentrum bei der Gestaltung kultureller Praxis.

lexikon, id939, letzte Änderung: 2021-10-14 17:09:38

© 2021 Prof. Dr. phil. habil. Michael Giesecke