Lexikon des NTD®

Definitionen und Begriffsklärungen

Hier wird das Verständnis wichtiger Begriffe des Neuen Triadischen Denkens erklärt und, wenn nötig, von anderen Definitionen abgegrenzt.

Definitionen sind für das NTD eine heikle Angelegenheit, weil Begriffe nach seinem Verständnis jeweils nur für eine bestimmte Praxis, mindestens einem Praxistyp, dieselbe Geltung beanspruchen können. Die folgenden Definitionen entspringen einer speziellen epistemologischen Praxis und gelten auch dort. Die meisten Begriff behalten in epistemischer Praxis ihren Sinn. Manche Begriffe behalten ihre Gültigkeit auch bei der Anwendung auf anderen Feldern, andere sind sehr speziell. Übertragungen müssen also geprüft werden und ggfs. sind Modifikationen erforderlich. Es ist mit den Definitionen wie mit allen anderen tools: Ohne Anamnese und Diagnose der Anwendungssituation - also der Art der Praxis -, kein sinnvoller Einsatz.
Um die Übersicht zu erleichtern, werden Verlinkungen von Texten in der Tiefe auf 2 Stufen begrenzt: Links aus einem Lemma des Lexikons auf ein anderes - und auf Texte außerhalb des Lexikons, also z.B. auf die Axiomatik - sind möglich. Ebenso kann man von den verlinkten Objekten auf eine weitere Ebene verwiesen werden. Nach dieser 3. Ebene ist Schluß: Die in den Popups eingepflegten Links werden dann zwar angezeigt, sind aber nicht belegt. Will der Leser sie verfolgen, kann er direkt auf die verlinkten Lemma bzw. andere Texte gehen. Diese Einschränkung gilt nicht für die Verlinkung von Modellen.



Praxeologie und Praxiologie =

allgemein das Bemühen, aus der einen oder anderen Perspektive eine Logik der Praxis zu konstruieren. In der Literatur werden Louis Bourdeau und Alfred Espinas als Urheber des Begriffs 'praxéologie' genannt (1882 bzw. 1890). Tadeusz Kotarbiński (1886 - 1881)hat seine Sicht der Praxis 'Praxiologie' (Praxiology) genannt und seine Arbeiten, ins Englische übersetzt (Oxford/New York 1965), haben einen gewissen Einfluß genommen. Kennzeichen dieser Schulen ist jedenfalls, daß sie sich auf die 'Handlung' oder die 'Aktion' konzentrieren und diese dabei entweder aus der Perspektive des Handelnden als planvoll, teleologisch und kausal determiniert oder (bei der Praxiologie) von den Resultaten her als mehr oder weniger effektiv beschreiben. Bei der letzteren Rekonstruktion werden die kausalen Determination zugunsten der Wertung zurückgeschraubt. Die Grenzen zum (gleichzeitig aufkommenden und ungleich nachhaltigeren) Pragmatismus sind in der Theorie fließend, aber beide Schulen fehlt die Empiriebasierung des soziologischen Pragmatismus.

Das NTD reduziert die Praxis nicht auf das Handeln und verwendet Praxeologie auch im Sinne einer 'Praktikologie', also einer Lehre vom Wirken der drei Praktiken (WaDeHa). Aber da das Wort weder gefällt noch die Praxis als emergentes Produkt genügend herausstreicht, bleibt es bei der Praxeologie. Da sowieso immer die Komposition der Praxis aus Subjekt, Objekt und Funktion berücksichtigt wird, lassen sich die genannten Praxiologien und Praxeologie als einseitige Konzentrationen auf bestimmte Relation der → Komponententriade verstehen.


Die triadische Praxeologie ist nicht aus dem Nichts entstanden Sie beruht, theoretisch wie praktisch auf klassischen Disziplinen , vor allem auf soziologischen Theorien über Interaktion, Organisation und Gesellschaft, auf soziologischen Handlungstheorien, den Unterscheidungen in der Wissenssoziologie u.s.f. Sie beruht auf psychologischen Modellen über den Menschen und ihre Interaktionen. Sie beruht auf den Systemtheorien der Technik, der Ökologie und der Kommunikationswissenschaft und manches weiteres.
Im augenblicklichen Stadium ist der Übergang zum praxeologischen Paradigma nicht abgeschlossen. Es gibt viele Modelle und Axiome, die mit den traditionellen Disziplinen nicht mehr viel zu tun haben, die quer zu ihnen liegen. Es gibt aber noch viele Bezeichnungen/Begriffe, die im alten Paradigma entstanden sind und dort eine Bedeutung haben, die jetzt aber nur noch teilweise zutrifft. Das betrifft z.B. den Begriff des 'Sozialen', der 'Systeme', der 'Kultur' und 'Ökologie' u.v.a.m.. Es ist wie ein einer Stadt, in der alte und neue Gebäude nebeneinanderbestehen (wie es Wittgenstein im Bezug auf die Sprachen mal formulierte; Phil. Untersuchungen I,18), und wo das Stadtbild nicht allein durch die neuen Stadtplaner bestimmt wird.
Es gibt also Inkonsistenzen in der Darstellung, auch Widersprüche. Sie sollten sich auflösen lassen, aber dazu bedarf es der Mithülfe. Wandel ist immer eine Balancen zwischen radikalen Erneuern, also hier dem Verwerfen von disziplinären Axiomen, der Reform von bestehenden Modellen und dem Bewahren guter Ansätze.

lexikon, id935, letzte Änderung: 2021-06-11 17:09:30

© 2021 Prof. Dr. phil. habil. Michael Giesecke