Lexikon des NTD®

Definitionen und Begriffsklärungen

Hier wird das Verständnis wichtiger Begriffe des Neuen Triadischen Denkens erklärt und, wenn nötig, von anderen Definitionen abgegrenzt.

Definitionen sind für das NTD eine heikle Angelegenheit, weil Begriffe nach seinem Verständnis jeweils nur für eine bestimmte Praxis, mindestens einem Praxistyp, dieselbe Geltung beanspruchen können. Die folgenden Definitionen entspringen einer speziellen epistemologischen Praxis und gelten auch dort. Die meisten Begriff behalten in epistemischer Praxis ihren Sinn. Manche Begriffe behalten ihre Gültigkeit auch bei der Anwendung auf anderen Feldern, andere sind sehr speziell. Übertragungen müssen also geprüft werden und ggfs. sind Modifikationen erforderlich. Es ist mit den Definitionen wie mit allen anderen tools: Ohne Anamnese und Diagnose der Anwendungssituation - also der Art der Praxis -, kein sinnvoller Einsatz.
Um die Übersicht zu erleichtern, werden Verlinkungen von Texten in der Tiefe auf 2 Stufen begrenzt: Links aus einem Lemma des Lexikons auf ein anderes - und auf Texte außerhalb des Lexikons, also z.B. auf die Axiomatik - sind möglich. Ebenso kann man von den verlinkten Objekten auf eine weitere Ebene verwiesen werden. Nach dieser 3. Ebene ist Schluß: Die in den Popups eingepflegten Links werden dann zwar angezeigt, sind aber nicht belegt. Will der Leser sie verfolgen, kann er direkt auf die verlinkten Lemma bzw. andere Texte gehen. Diese Einschränkung gilt nicht für die Verlinkung von Modellen.



Persönlichkeit =

eine Facette der triadischen Anthropologie neben dem Menschen als Praktiker und als Bestandteil der Welt.

Das NTD verwendet den Begriff 'Persönlichkeit' nur für Menschen, ohne prinzipiell auszuschließen, daß viele Bestimmungen auch auf andere Lebewesen übertragen werden können.

Jeder Mensch ist immer auch eine Persönlichkeit und umgekehrt. Jeder Praktiker und jede Persönlichkeit ist Teil der Welt. Jede Persönlichkeit ist zu jedem Zeitpunkt immer auch Praktiker. → Mensch
Jede Persönlichkeit hat eine Architektur, eine Geschichte und Emergenz, mindestens. Im Gegensatz zu den anderen Faktoren der Basistriade des Menschen prämiert der Faktor Persönlichkeit die dynamische Dimension, die Autobiographie.
- Architektur
Der Mensch als Persönlichkeit ist, um Goethes Bild aufzugreifen, ein 'mannigfaltiger Diamant'. Er ist ein aus vielen Elementen unterschiedlichster Art zusammengefügtes Beziehungsnetzwerk. Er ist insofern inhomogen. (Auch für ihn gilt die Komponententriade: Elemente, Beziehungen, Ebenen/Typen)
- Dynamik
Die mannigfaltigen und auch heterogenen Möglichkeiten werden als Komplexität erlebt, die es zu bewältigen gilt. Dies geschieht im Laufe des Lebens, das sich das NTD als eine Verkettung von Praxen, die jeweils selektiv mit den komplexen Möglichkeiten umgehen, vorstellt. Die Reduktion der Mannigfaltigkeit nennt man Bildungsgang, Erwachsen werden, Karriere usf.. Wahrnehmungsmuster, Denk- und Verhaltensprogramme stabilisieren sich. Die Bewältigung erzeugt als Spur die Einzigartigkeit der P., seine Biographie, seine körperlichen Leistungsfähigkeit, seine Gebrechen, seinen durchgängigen Stimmungen und ambivalenten Haltungen. Es gibt viele Möglichkeiten die autobiographische Komplexität der Persönlichkeit zu modellieren. Das NTD reduziert sie - klar - triadisch und kann dadurch die Heterogenität der Persönlichkeit gut abbilden.
Obligatorisch ist die Annahme der Heterogenität/ Komplexität und die Suche nach den jeweils drei Faktoren, aus deren Interaktion die P. emergiert.
Eine mögliche Triadentrias gibt das nachfolgende Modell wieder.
→ PersönlichkeitTT
Dieses Persönlichkeitsmodell steht im Gegensatz zu den gegenwärtig einflußreichen Identitäts- und Persönlichkeitsidealen, die Kohärenz und stabile Mittelpunkte prämieren. Im Abgrenzung etwa zur Dissonanztheorie Festingers, der 'Theorie des kognitiven Gleichgewichts' von Heider oder der Kongruenztheorie von Osgood und Tannenbaum, die gerade die Vermeidung von Widersprüchen und das Streben nach Kongruität zum beständigen Ziel und zur Triebfeder der Persönlichkeit erklärt, sucht das NTD, wenn es den Menschen als mannigfaltige Persönlichkeit zum Objekt triadischer Praxis macht, nach triadischen Programmen und Modellen.

- Emergenz
Je nach den Zwecken der Praxis gibt es viele Möglichkeiten, die Emergenz der P. triadisch zu verstehen und zu behandeln.
Immer anwendbar ist das Emergenzmodell des Menschen als Individuum, als soziales Wesen und als biogenes Gattungswesen. Obligatorisch ist die Modellierung der komplexen Menschen als Praktiker. Sie sind multisensuell, multiprozessoral und multieffektiv, haben also mannigfaltige Sinne, Verarbeitungskapazitäten und Verhaltensmöglichkeiten.
Sie emergieren immer zugleich, aber mit unterschiedlicher Gewichtung als Wahrnehmender, Denker und Handelnder - und dies in jeder Praxis. Durch den unvermeidlichen Einsatz ihrer basalen Praktiken schaffen sie ihre einzigartige Biographie und werden zu Persönlichkeiten.
Komplexitätsbewältigung durch die Praktiken sind permanente Probleme der Menschen als Praktiker.
Bewährt hat sich auch das Modell des Karriereberatungsklienten als Produkt des Zusammenwirkens von Person, Profession und Funktion (Rappe-Giesecke) oder die Triadentrias der Persönlichkeit Goethes (Giesecke 2018).

lexikon, id926, letzte Änderung: 2021-09-27 10:01:38

© 2021 Prof. Dr. phil. habil. Michael Giesecke