Lexikon des NTD®

Definitionen und Begriffsklärungen

Hier wird das Verständnis wichtiger Begriffe des Neuen Triadischen Denkens erklärt und, wenn nötig, von anderen Definitionen abgegrenzt.

Definitionen sind für das NTD eine heikle Angelegenheit, weil Begriffe nach seinem Verständnis jeweils nur für eine bestimmte Praxis, mindestens einem Praxistyp, dieselbe Geltung beanspruchen können. Die folgenden Definitionen entspringen einer speziellen epistemologischen Praxis und gelten auch dort. Die meisten Begriff behalten in epistemischer Praxis ihren Sinn. Manche Begriffe behalten ihre Gültigkeit auch bei der Anwendung auf anderen Feldern, andere sind sehr speziell. Übertragungen müssen also geprüft werden und ggfs. sind Modifikationen erforderlich. Es ist mit den Definitionen wie mit allen anderen tools: Ohne Anamnese und Diagnose der Anwendungssituation - also der Art der Praxis -, kein sinnvoller Einsatz.
Um die Übersicht zu erleichtern, werden Verlinkungen von Texten in der Tiefe auf 2 Stufen begrenzt: Links aus einem Lemma des Lexikons auf ein anderes - und auf Texte außerhalb des Lexikons, also z.B. auf die Axiomatik - sind möglich. Ebenso kann man von den verlinkten Objekten auf eine weitere Ebene verwiesen werden. Nach dieser 3. Ebene ist Schluß: Die in den Popups eingepflegten Links werden dann zwar angezeigt, sind aber nicht belegt. Will der Leser sie verfolgen, kann er direkt auf die verlinkten Lemma bzw. andere Texte gehen. Diese Einschränkung gilt nicht für die Verlinkung von Modellen.



Emergenz, ontologische =

Alle Objekte der Welt emergieren als Dinge in Zeit und Raum. Sie durchlaufen Metamorphosen - auch unabhängig von jeder Praxis.
Emergieren können nur die Eigenschaften von Dingen - einschließlich der als Dinge aufgefaßten Prozesse und Räume.

Das NTD kann sich nicht mit einer bloß praxeologischen - und erst recht nicht einer bloß epistemischen - Emergenz zufrieden geben. Dies würde nur den von Horst Eberhard Richter so schön beschriebenen 'Gotteskomplex' , also der Vorstellung von dem Menschen als Krone und Angelpunkt der Schöpfung, fortschreiben. Klar, daß dies verlockend ist, weil der Mensch sich so der Mühe einer Dezentrierung entzieht. Wenn es jedoch Welt unabhängig vom Menschen gibt, dann auch Emergenz unabhängig vom Menschen und jenseits vom → Kosmos und den → Vorstellungswelten!

Es gibt klare Abhängigkeiten zwischen dem ontologischen und dem praxeologischen Emergenzkonzept. Das praxeologische Emergenzkonzept ist für das NTD (u.a.) erforderlich, um den Dingen trotz ihrer Wandlungen eine Identität zu sichern. Es ordnet den Wandel der Welt und ihrer Bestandteile. Insofern macht es wenig Sinn vom (unvermeidlichen) Wandel der Welt zu sprechen, ohne zugleich den Dingen unterschiedliche Emergenzformen zuzuschreiben. Dies verlangt von der Praxis, zwischen logischen Ebenen zu unterscheiden, auch zwischen Exemplaren und Artmodellen, also eine Typologie/Klassifikation vorzunehmen. Jedes Ding hat eine Emergenzform in einem bestimmten Raum zu einer bestimmten Zeit. Unter anderen Umständen kann es andere Emergenzformen annehmen. Insofern kann man auch den Plural verwenden und von den Emergenzen der Dinge, z.B. auch des Menschen oder von Wasser sprechen. Das Identitätsproblem wird letztlich durch die → Wandeltriade gelöst. Immer gibt es im Wandel bewahrenden Komponenten.

Riskant bleibt das Verständnis von Emergenz allemal, weil es immer eine zumindest partielle Identität zwischen den emergenten Zuständen der Dinge annimmt. Wenn man die Unterschiede fokussiert, ist bspw. 'Eis' kein 'gefrorenes Wasser' mehr sondern ein ganz anderes, neues Ding. Damit würde man in letzter Konsequenz aber alle Transformationen, Wandlungsvorgänge, Metamorphosen, Stoffwechsel ausschließen und nur noch Neuanfänge akzeptieren. Das entspricht nicht dem Wandelmodell des NTD.

lexikon, id659, letzte Änderung: 2021-05-06 10:31:24

© 2021 Prof. Dr. phil. habil. Michael Giesecke