Axiomatik



Sinn als Objekt der TriPhil und TriPraxie

V. Sinn als Objekt der TriPhil und TriPraxie

'Sinn' ist ein mannigfaltiges, verbindungsreiches Phänomen, das sich wandelt. Es kann in wissenschaftlicher Absicht modelliert und damit verdinglicht werden. Das geschieht in den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen in unterschiedlicher Weise. Deshalb gibt es nicht nur eine Mannigfaltigkeit von mehr oder minder vagen alltagsweltlichen Sinnkonzepten, sondern auch eine Vielzahl an wissenschaftlichen Sinnmodellen.
In diesem Projekt geht es um einen triadischen und praxeologischen Sinnbegriff.
D.h., das Modell sollte

  • triadisch aufgebaut,
  • aus den Grundannahmen der Triadischen Weltanschauung und
  • aus den Kategorien der TriPhil
    abgeleitet sein. Ziel ist, einen Sinnbegriff für die Praxis, die Praktiker und die Praxeologie zu entwickeln.

Sinnbegriffe in den Säulen der TriWelt

Sinn taucht im NTD in drei Säulen auf: als weltanschauliche Grundannahme, als philosophische Kategorie und als Modell in der Triadischen Praxeologie. Wir haben also mit unterschiedlichen Perspektiven auf den Sinn zu rechnen, die sich allerdings alle aufeinander - induktiv, deduktiv und strukturell - beziehen.
Der praxeologische Sinnbegriff hat

  • weltanschauliche Grundannahmen über den Sinn und
  • Kategorien der Triadischen Philosophie sowie
  • Modelle der Praxis
    als Voraussetzung.
    Sinn gibt es nur als einen Faktor in der Praxis. Auch jede abstrakte philosophische Sinnbestimmung kommt ohne Annahmen über die Praxis nicht aus.

Der Sinn in der Praxeologie und in ihren Disziplinen und Abteilungen, darunter auch in der Epistemischen Praxis und Praxeologie (NTD) erscheint als Konkretisierung dieser allgemeineren Modelle. (Gleichzeitig sind genuin praxeologische Annahmen zu berücksichtigen.) Die Praxeologie hat Daten zur Formulierung der Grundannahmen und der philosophischen Bestimmung des Sinns beigetragen.
Das NTD nimmt danach drei Sinnbegriffe, weltanschauliche, philosophische und praxeologische, an. (Abb.1)
Sinnbegriffe in den Säulen der TriWelt

Abb. 1: Sinnbegriffe in den Säulen der TriWelt
Das Neue Triadische Denken und die TriPraxie kommen mit einem einzigen Sinnbegriff nicht aus.
Gemeinsam ist allen Sinnbegriffen, daß sie triadisch aufgebaut sind, also drei Faktoren verschränken. Alle drei Sinnbegriffe lassen sich weiter triadisch untergliedern.
Zwischen diesen Sinnbegriffen gibt es Unterschiede in den Allgemeinheitsansprüchen und Ableitungsbeziehungen. Die weltanschaulichen Grundannahmen über den Sinn, den Grundsinn lassen sich nicht weiter ableiten. Die Absoluten Sinnbegriffe der TriPhil sind Spezifizierungen des Grundsinns, der Absolute Praxeologische Sinn konkretisiert die philosophischen Modelle.
Der empirische Sinn einer bestimmten Praxis wird als Konkreter Sinn begriffen. Wir haben also eine Hierarchie der Sinnbegriffe mit Ableitungsbeziehungen, womit die Bedingungen eines Theoriegebäudes erfüllt sind. Allerdings gibt es Grenzen der Ableitungen des Sinns.

Konstitutive Objekte der TriPraxie

Die für die TriPraxie obligatorischen und konstitutiven Objekte sind
α die Menschen
β die Praxisgefüge
ç der Sinn.
Alle drei Objekte sind komplexe Gefüge und werden als triadische Modelle beschrieben.
α Der Mensch ist erst durch die Praxis von einem triebgesteuerten Lebewesen zur Gattung des Homo sapiens, besser: des Homo practor und practiens geworden.
β Jede Praxis stellt Verbindungen zwischen den Menschen und Teilen der Welt als Objekte der Praxis her. Diese Verbindungen erzeugen Beziehungen und komplexe Beziehungen zwischen Beziehungen. Das NTD spricht deshalb von Praxisgefügen.
ç Jede Praxis muß Sinn stiften und wird durch Sinn gesteuert. Sie unterscheidet sich dadurch von den Interaktionsgefügen der sub-humanen Lebewesen.
δ Praxisgefüge, Menschen und Sinn sind die Faktoren einer Triade. Man kann keinen der Faktoren der Triade der Praxeologie ohne den anderen haben. Zwischen den Faktoren der Triade gibt es Wechselbeziehungen. Immer, wenn ein Faktor beschrieben wird, müssen die anderen zu Hilfe genommen werden. Praxis ist immer menschliche sinnvolle Praxis, ohne den Menschen und Sinnstiftung gibt es sie nicht. Immer führen die sinnvollen Aktivitäten der Menschen zu Beziehungsgefügen. Gerade in dieser Verschränkung zeigt sich die Gültigkeit der Triade.
Die drei Objekte werden als Faktoren der Triade der Praxis verstanden.
Die Praxis erscheint dann als das emergente Objekt der Verschränkung der drei Faktoren. (Abb.2)
Objekte der Praxeologie
Abb. 2: Objekte der Praxeologie
Um die wechselseitige Abhängigkeit der Objekte der Praxeologie deutlicher werden zu lassen, kann man die Faktoren auch folgendermaßen präzisieren:

  • Das Objekt der Praxeologie ist das komplexe Praxisgefüge.
  • Das Objekt der Praxeologie ist der Mensch als Teil der sinnvollen Praxis.
  • Das Objekt der Praxeologie ist der Sinn der menschlichen Praxis.
    Wenn von der Praxis gesprochen wird, dann ist in der TriPhil und der TriPraxie immer ein menschliches sinnvolles Praxisgefüge gemeint. Wenn vom Sinn gesprochen wird kann immer zu Sinn menschlicher Praxis ergänzt werden. Wenn vom Menschen gesprochen wird, dann wird er als sinnstiftender Homo Practor, als Praktiker verstanden. Der Sinn gibt den Beziehungszellen im Praxisgefüge und dem Gefüge insgesamt eine Richtung. Die Praxis kommt nur als Beziehungsgefüge daher. Jede Praxis ist ein Praxisgefüge und außerhalb der Praxis gibt es kein Praxisgefüge.
    Zwar wirken die drei Faktoren immer zusammen - aber man kann einen hervorheben. Ob wir von dem Praxisgefüge, dem Menschen als Homo practor oder practiens oder vom Sinn sprechen, ist (nur) eine Frage der Prämierung.

Sinn als Objekt der Disziplinen der Praxeologie

Eine solche Prämierung ist letztlich bei jeder Beschreibung und Gestaltung von triadischen Objekten unvermeidlich. Die Modellierung der drei Faktoren der Komponententriade der Praxis obliegt drei konstitutiven praxeologischen Disziplinen:

  • Die Prämierung des Menschen erfolgt in der Anthropologischen Philosophie und Praxeologie.
  • Die Prämierung des Gefüges erfolgt in der Konnektiv-Systemischen Praxeologie.
  • Die Prämierung des Sinns erfolgt in der Philosophischen Philosophie und Praxeologie.

Die TriPhil und TriPraxie binden den Sinn also sowohl an die Praxis als auch an die beiden anderen Komponenten, den Mensch als Praktiker und das Praxisgefüge. Das hat zur Folge, daß keine Praxis ohne Sinnstiftung auskommt.
Es gibt einen Zwang zur Sinnstiftung für die Praxis, die Menschen und das Praxisgefüge. Die Praxeologie ist die Lehre von (der Gestaltung) der Praxis durch konkrete Sinnstiftung.
Sinn ist konstitutiv für Praxis – und Praxis ist der einzige Ort, wo Sinn real wird.
Die Praxis hat auch ihren Kosmos und ihre Vorstellungswelt erzeugt. Sie sind insoweit auch mit Sinn infiziert.
Die Sphären der Vorstellungswelt und des Kosmos sind Produkt der sinnvollen Praxis.
Deshalb hat sich die Praxeologie auch mit den Sphären der TriWelt zu beschäftigen. Das ist

  • Objekt der Disziplin der Kosmologischen Philosophie und Praxeologie. Mit dem Sinn als Information in den verschiedenen Emergenzformen beschäftigt sich das NTD bzw. die epistemische Praxeologie.

Die Koevolution von Sinn, Praxis und Menschen

Sinn, Mensch und Praxisgefüge haben sich gemeinsam entwickelt. Keiner dieser drei Faktoren ist ohne die anderen denkbar. Sie bedingen und formen einander im historischen Prozeß. Am Ende der Entwicklung ist die Praxis sinnvoll und es gibt keinen Sinn ohne die menschliche Praxis. Das ist ein langer Prozeß im Tier-Mensch- Übergangsfeld.
Jenseits der Menschen gibt es keine Praxis - sondern äußerstenfalls Wechselbeziehungen zwischen Lebewesen untereinander und zu ihrer Umwelt. Jenseits der Praxisgefüge, die die Menschen immer und unausweichlich untereinander und mit anderen Teilen der Welt verbinden, gibt es keine menschliche Existenz. Ohne Sinn entstehen drittens keine Praxisbeziehungen und -gefüge und werden die Menschen nicht zu Praktikern und Teilen der Beziehungsgefüge. Der Sinn der Praxis konditioniert die Praktiker und diese verwirklichen durch ihre Praktiken den Sinn der Praxis.
Mensch, Beziehungsgefüge und Sinn befinden sich in Koevolution - hier ist der Begriff vollumfänglich angebracht.
Am nächsten von den Philosophen des 19. JHs mag W. Dilthey der von der TriPrax bevorzugten Bindung von Sinn an die Praxis gekommen sein. „Die Praxis ist die objektive Gestalt, in der das Leben sich äußert, und in der es seinen Sinn gewinnt.“ (GSW. Bd. VII: Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften, S. 225) Hier werden Mensch, Praxis und Sinn untrennbar.

Sinn als eine Klasse von Triebkräften
Sinn wird als eine Existenzform der Triebkräfte neben den anorganischen Energien und den Trieben der Lebewesen verstanden.
Das ist ein Kern des triadischen Sinnbegriffs, der auf alle Konkretisierungen ausstrahlt.
Triebkraft ist der übergeordnete Begriff. Sinn wird in der TriPhil und der TriPraxie aus den Triebkräften abgeleitet.
Sinn ist eine Antriebskraft der Praxis und des Menschen.
Sinn taucht nur in der menschlichen Praxis auf, aber er hat andere Triebkräfte als Vorläufer, Prototypen, die auch im entwickelten Stadium noch mitwirken.

Das triadische Verständnis von Triebkräften in Kurzform
Triebkraft ist in der Triadischen Praxeologie (TriPraxie) und Triadischen Philosophie (TriPhil) der Oberbegriff für alle dynamischen Antriebe der Triadischen Welt (TriWelt).
Triebkräfte erzeugen die Dynamik aller Eigenschaften, Elemente und Sphären der Welt und steuern Prozesse, Bewegungen sowie das Werden und Vergehen der Dinge.
Triebkräfte werden in der TriPhil und TriPraxie in der Hauptsache mit drei triadischen Modellen beschrieben, der Emergenztriade, der Komponententriade und der Richtungstriade. (Abb. 3)

Hauptmodelle der Triebkräfte
Abb. 3: Die drei Hauptmodelle der Triebkräfte
Es werden drei Emergenzniveaus der Triebkräfte angenommen, Energien, Triebe und Sinn. Sie werden auch als Klassen von Triebkräften bezeichnet.
Aus der Annahme der Absoluten Beziehungstriade leitet sich das Verständnis der Triebkräfte als Richtung der Relation von Beziehungen ab. Alle Triebkräfte sind Faktoren von Beziehungen.
Jede Triebkraft ist eine Komposition aus den drei Komponenten äußere, innere und konnektive Triebkräfte.

Der Anteil des Sinns an den Triebkräften der Praxis

Die Triebkräfte der Praxis reduziert die TriPraxie nicht auf einen genuin praxeologischen Sinn. Vielmehr wird die Praxis durch die Interaktion der Klassen von Triebkräften gesteuert. Der genuin praxeologische Sinn ist (nur) eine Komponente der Triebkräfte der Praxis und des Menschen.
Diese Modellierung mag man als Degradierung des Sinns zugunsten der Triebkräfte verstehen. Jedenfalls ist zwischen dem genuin praxeologischen Sinn und den Triebkräften der Praxis zu unterscheiden. Der Sinn der Praxis ist eine Triebkraft neben zwei anderen Klassen von Triebkräften. Um diese Differenz klarer herauszustellen, wird auch vom 'genuin praxeologischen Sinn' geschrieben.
Die TriPraxie bricht mit der triadischen Modellierung der Praxis an diesem Punkt nicht ab. Sie besteht darauf, auch den genuin praxeologischen Sinn noch einmal triadisch, als Komposition aus drei Komponenten zu modellieren. Es zeigt sich des weiteren, daß auch diese Komponenten von den Abteilungen und Disziplinen der TriPraxie triadisch differenziert werden können.
Damit verlassen wir den Boden von Modellen und von deren zufälligen Zuordnungen und betreten ein Theoriegebäude.
► Unterschieden zwischen Modellen und Theorien

Sinnstiftung in der Praxis als Zwang und Programm

Die Praxeologie kann sich nicht mit Modellen von Sinn und Praxis zufrieden geben. Sie braucht ebensosehr Programme der Gestaltung der Praxis.

  • Energien und Triebe sind Tatsachen.
  • Sinn und Praxis müssen erzeugt, gestaltet und erfüllt bzw. beendet werden.

Der Mensch ist ein gestaltendes Wesen, ein Homo practor. Wenn vom Praktiker gesprochen wird, dann ist damit immer auch gemeint, daß das Praktizieren ein Gestalten und das Gestalten eine permanente Aufgabe des Menschen - als Homo practiens - ist. Die Tatsache, daß der Gestaltungszwang oftmals dem einzelnen Menschen abgenommen wird, indem andere Menschen oder Ereignisse, die Programme der Gestaltung vorschreiben, ändert nichts am Prinzip. Ohne Gestaltung keine Praxis.
Das ist bei den Interaktionsformen der subhumanen Wesen anders. Die Gestaltungsmöglichkeiten der meisten Species tendieren gegen null. Deswegen lassen sich die Programme durch Gesetze beschreiben. Noch weniger wird man den anorganischen Energien Teilen des Kosmos eigene Gestaltungsmöglichkeiten zuschreiben. Es mag sein, daß wir die Gesetze nicht kennen, nach denen sich diese Teilchen bewegen, aber wir sind seit einigen Jahrhunderten der Auffassung, daß es solche Bewegungsgesetze gibt und daß sie prinzipiell erkennbar sind. Wird anderes angenommen, hat die Naturwissenschaft keine Basis mehr.

Wird dem Zwang zur Gestaltung des Sinns gefolgt, entsteht Konkreter Sinn. Der Konkrete Sinn kann als eine Auswahl aus dem Absoluten Sinn angesehen werden.
Mit dem Konkreten Sinn befaßt sich die TriPhil nicht mehr. Hier beginnt der Objektbereich der TriPraxie.

axiomatik, id1875, letzte Änderung: 2026-04-02 10:44:08

© 2026 Prof. Dr. phil. habil. Michael Giesecke