Lexikon des NTD®

Definitionen und Begriffsklärungen

Hier wird das Verständnis wichtiger Begriffe des Neuen Triadischen Denkens erklärt und, wenn nötig, von anderen Definitionen abgegrenzt.

Definitionen sind für das NTD eine heikle Angelegenheit, weil Begriffe nach seinem Verständnis jeweils nur für eine bestimmte Praxis, mindestens einem Praxistyp, dieselbe Geltung beanspruchen können. Die folgenden Definitionen entspringen einer speziellen epistemologischen Praxis und gelten auch dort. Die meisten Begriff behalten in epistemischer Praxis ihren Sinn. Manche Begriffe behalten ihre Gültigkeit auch bei der Anwendung auf anderen Feldern, andere sind sehr speziell. Übertragungen müssen also geprüft werden und ggfs. sind Modifikationen erforderlich. Es ist mit den Definitionen wie mit allen anderen tools: Ohne Anamnese und Diagnose der Anwendungssituation - also der Art der Praxis -, kein sinnvoller Einsatz.
Um die Übersicht zu erleichtern, werden Verlinkungen von Texten in der Tiefe auf 2 Stufen begrenzt: Links aus einem Lemma des Lexikons auf ein anderes - und auf Texte außerhalb des Lexikons, also z.B. auf die Axiomatik - sind möglich. Ebenso kann man von den verlinkten Objekten auf eine weitere Ebene verwiesen werden. Nach dieser 3. Ebene ist Schluß: Die in den Popups eingepflegten Links werden dann zwar angezeigt, sind aber nicht belegt. Will der Leser sie verfolgen, kann er direkt auf die verlinkten Lemma bzw. andere Texte gehen. Diese Einschränkung gilt nicht für die Verlinkung von Modellen.



Religion =

Oberbegriff/emergentes Produkt aus den Komponenten Glaube, Glaubensgemeinschaft und Kirche. Der Glaube ist zunächst ein Spezialfall des Denkens, eben Glauben, und der Informationen, ein Wert. Nicht jedes Glauben stiftet Religionen. Zu einem religiösen Glauben wird er in dem Maße, indem er gemeinschaftsbildende Kraft entfaltet. Es entsteht eine Gemeinschaft der Gläubigen, die durch gemeinsame Praxis, Beten, Singen, Feste feiern … , die Vorstellungswelt des Individuums überschreitet. Der Glaube wird sichtbar (in der Wahrnehmungswelt). Wenn diese Gemeinschaft Institutionen ausbildet, ihre Normen kodifiziert und Instanzen schafft, die Gesetze zu kontrollieren, entsteht die Kirche bzw. anders bezeichnete Institutionen in der sozialen und kulturellen Wirklichkeit. In der Kirche wirken religiöse Vorstellungen nicht nur als Werte sondern werden zu Programmen sozialen und kultureller Praxis. Sie emergiert primär im Kosmos. Sie beschränkt sich nicht auf Glauben und Wahrnehmen sondern ist eine materielle Realität, die nur durch Handlungen (z.B. Taufe, Weihen …) existiert und materielle Räume braucht.
Prämiertes Objekt religiöser Praxis ist die Vorstellungswelt, jener Zwischenraum zwischen dem unendlichen Universum und dem von den Menschen erkundeten Kosmos. Zwischen dem Glauben, der letztlich für die Menschen unvermeidlich ist und der Kirche, die die Glaubenswelt (als eine Komponente der Vorstellungswelt) sozial kodifiziert, ist also zu unterscheiden. Von beiden ist die Gemeinschaft der Gläubigen abzugrenzen. Die Religionen lassen sich danach unterscheiden, welche der drei Komponenten prämiert werden.

Mystik und Pietismus etwa prämieren den Glauben, die individuelle Erleuchtung. Der Buddhismus hat niedergeschriebene Regeln, kommt aber mit wenig Kirche, wenig bürokratischer materieller Gewalt aus. Ganz anders die Katholische Kirche, sie hat sich zu einer wirklichen Kirche entwickelt und stand deshalb immer in Konkurrenz zu anderen (weltlichen, d.h. kosmischen) Institutionen. Luther war diese kosmische /weltliche Existenz zu weitgehend und er hat den Glauben und das Glaubensbekenntnis als in Gemeinschaft zu vollziehender individueller Akt gestärkt.
Allen christlichen Religionen ist gemeinsam, daß sie die drei Komponenten ausdifferenziert und über deren Relationen gestritten haben. Dies mag ein Unterschied zu den islamischen Religionen sein.

lexikon, id958, letzte Änderung: 2021-01-12 18:30:38

© 2021 Prof. Dr. phil. habil. Michael Giesecke