Lexikon des NTD®

Definitionen und Begriffsklärungen

Hier wird das Verständnis wichtiger Begriffe des Neuen Triadischen Denkens erklärt und, wenn nötig, von anderen Definitionen abgegrenzt.

Definitionen sind für das NTD eine heikle Angelegenheit, weil Begriffe nach seinem Verständnis jeweils nur für eine bestimmte Praxis, mindestens einem Praxistyp, dieselbe Geltung beanspruchen können. Die folgenden Definitionen entspringen einer speziellen epistemologischen Praxis und gelten auch dort. Die meisten Begriff behalten in epistemischer Praxis ihren Sinn. Manche Begriffe behalten ihre Gültigkeit auch bei der Anwendung auf anderen Feldern, andere sind sehr speziell. Übertragungen müssen also geprüft werden und ggfs. sind Modifikationen erforderlich. Es ist mit den Definitionen wie mit allen anderen tools: Ohne Anamnese und Diagnose der Anwendungssituation - also der Art der Praxis -, kein sinnvoller Einsatz.
Um die Übersicht zu erleichtern, werden Verlinkungen von Texten in der Tiefe auf 2 Stufen begrenzt: Links aus einem Lemma des Lexikons auf ein anderes - und auf Texte außerhalb des Lexikons, also z.B. auf die Axiomatik - sind möglich. Ebenso kann man von den verlinkten Objekten auf eine weitere Ebene verwiesen werden. Nach dieser 3. Ebene ist Schluß: Die in den Popups eingepflegten Links werden dann zwar angezeigt, sind aber nicht belegt. Will der Leser sie verfolgen, kann er direkt auf die verlinkten Lemma bzw. andere Texte gehen. Diese Einschränkung gilt nicht für die Verlinkung von Modellen.



Dreifaltigkeiten, orthodoxe =

Hier sind mindestens zwei Traditionslinien zu unterscheiden. Die erste geht von Moses 1, Kap. 18, also vom Alten Testament, aus und wird deshalb auch als altestamentarische Dreifaltigkeit bezeichnet. Der Sohn, Jesus, spielt klarerweise keine Rolle. Gott erscheint Abraham hier in dreierlei Gestalt, was später - in Nicäa und Konstatinopel - als drei 'personae' gedeutet werden konnte.

1 Und der HERR erschien ihm im Hain Mamre, da saß er an der Tür seiner Hütte, da der Tag am heißesten war. 2 Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und da er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seiner Hütte und bückte sich nieder zur Erde 3 und sprach: HERR, habe ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so gehe nicht an deinem Knecht vorüber. 4 Man soll euch ein wenig Wasser bringen und eure Füße waschen, und lehnt euch unter den Baum. 5 Und ich will einen Bissen Brot bringen, daß ihr euer Herz labt; darnach sollt ihr fortgehen. Denn darum seid ihr zu eurem Knecht gekommen. Sie sprachen: Tue wie du gesagt hast.
   6 Abraham eilte in die Hütte zu Sara und sprach: Eile und menge drei Maß Semmelmehl, knete und backe Kuchen. 7 Er aber lief zu den Rindern und holte ein zartes, gutes Kalb und gab's dem Knechte; der eilte und bereitete es zu. 8 Und er trug auf Butter und Milch und von dem Kalbe, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor und blieb stehen vor ihnen unter dem Baum, und sie aßen.

Luther erklärt diese Stelle in Die gantze Heilige Schrifft Deudsch 1545 folgendermaßen: 'Fur einem felt er nider / vnd redet auch als mit einem / vnd doch mit dreien. Da ist die Dreifaltigkeit in Gott angezeigt.'
Eine frühe Darstellung findet sich als Mosaik in einer Lünette des Presbyteriums von San Vitale in Ravenna. Dreigeteilte Fenster oberhalb und unterhalb unterstreichen die Trias der Engel.

Abb. 1: Die alttestamentliche Darstellung der Dreifaltigkeit, Mosaik, von San Vitale, Ravenna, 6. JH
Bildname

Die zweite Traditionslinie folgt im Kern der nicäanischen Trinitätslehre. Sie findet sich in Ikonen und vor allen in Metallkreuzen in orthodoxen Kirchen

Abb. 2a: Altarkreuz (Racpjatmue Xrucmowo)19JH

2b: Trinität von Schdan Dementjew, 1633, Beide: Kirillo-Beserski Kloster, Rußland
Dreifalt_Ortho

Häufig, aber in den Ikonen nicht immer, wird von Oben nach Unten die Reihenfolge Gottvater, Heiliger Geist und Sohn eingehalten. Die sogenannten altgläubigen Orthodoxen lehnen die Darstellung der Dreifaltigkeit durch Menschen zwar ab, erlauben aber den Guß von Kreuzen mit solchen Abbildungen, also die Reduktion der Visualisierung auf einen chemischen Prozeß. Allerdings bleibt die Stelle im Mittelpunkt der Kreuze, wo ansonsten die Taube situiert wird, blank. Es zeigt sich wieder die Scheu und Schwierigkeit der Visualiserung der Dreieinigkeit.

Die Gefahr von häretischen Mißdeutungen, z.B. als Familie (Tritheisten), ist immer groß. Deshalb wandte sich die Kirche seit dem Trienter Konzil 1563 oft gegen die Nivellierung der Unterschiede zwischen den drei Faktoren der Trinität, wenn sie gleichermaßen anthropomorph, in Menschgestalt, abgebildet werden. Seit dem Dekret des Heiligen Offiziums von 1928 sind solche Darstellungen in der katholischen Kirche untersagt.

Als Fazit aus der kurzgefaßten Geschichte der Darstellung der Dreifaltigkeit mag festgehalten werden, daß alle Darstellungen triadischer Modelle und Prinzipien auf zweidimensionaler Projektionsfläche unbefriedigend bleiben. Man braucht Körper in Räumen und Bewegungen in der Zeit. Eine Reduktion von Architekturen auf zweidimensionale Strukturen bringt die triadische Komplexität zum Verschwinden. Eine bittere Konsequenz dürfte sein, daß sich das NTD nicht allein aus Büchern lernen läßt - was zu einer Abkehr von den Idealen der Buchkultur nötigt.

lexikon, id648, letzte Änderung: 2021-08-17 10:54:04

© 2021 Prof. Dr. phil. habil. Michael Giesecke