Lexikon des NTD®

Definitionen und Begriffsklärungen

Hier wird das Verständnis wichtiger Begriffe des Neuen Triadischen Denkens erklärt und, wenn nötig, von anderen Definitionen abgegrenzt.

Definitionen sind für das NTD eine heikle Angelegenheit, weil Begriffe nach seinem Verständnis jeweils nur für eine bestimmte Praxis, mindestens einem Praxistyp, dieselbe Geltung beanspruchen können. Die folgenden Definitionen entspringen einer speziellen epistemologischen Praxis und gelten auch dort. Die meisten Begriff behalten in epistemischer Praxis ihren Sinn. Manche Begriffe behalten ihre Gültigkeit auch bei der Anwendung auf anderen Feldern, andere sind sehr speziell. Übertragungen müssen also geprüft werden und ggfs. sind Modifikationen erforderlich. Es ist mit den Definitionen wie mit allen anderen tools: Ohne Anamnese und Diagnose der Anwendungssituation - also der Art der Praxis -, kein sinnvoller Einsatz.
Um die Übersicht zu erleichtern, werden Verlinkungen von Texten in der Tiefe auf 2 Stufen begrenzt: Links aus einem Lemma des Lexikons auf ein anderes - und auf Texte außerhalb des Lexikons, also z.B. auf die Axiomatik - sind möglich. Ebenso kann man von den verlinkten Objekten auf eine weitere Ebene verwiesen werden. Nach dieser 3. Ebene ist Schluß: Die in den Popups eingepflegten Links werden dann zwar angezeigt, sind aber nicht belegt. Will der Leser sie verfolgen, kann er direkt auf die verlinkten Lemma bzw. andere Texte gehen. Diese Einschränkung gilt nicht für die Verlinkung von Modellen.



Textgattung =

Das sprachliche Handeln ordnet sich auf mehreren Ebenen. Neben den Worten und Sätzen unterscheidet das NTD auch Textgattungen. Sie besitzen ebenfalls eigenen Kodestrukturen. Das NTD nimmt drei Typen von Texten an, Beschreiben, Erzählen und Argumentieren.

Es gilt die Triade der Gattungen sprachlicher Darstellung in Texten: Beschreiben, Erzählen, Argumentieren.
Die Triade der epistemischen Praxisarten ist aus den sogenannten 'Sachverhaltsdarstellungsschemata' in der Konversationsanalyse vor allem von Fritz Schütze und Werner Kallmeyer hervorgegangen. (W.Kallmeyer, /F.Schütze(1977): Zur Konstitution von Kommunikationsschemata der Sachverhaltsdarstellung. In: D. Wegener (Hrsg.): Gesprächsanalysen. (= IKP- Forschungsberichte Reihe 1, Bd. 65). Hamburg.) Das Erzählen wird vor allem in Therapien zur Informationsgewinnung und -verarbeitung eingesetzt. Ausführlich dazu Kap. 4 in M. Giesecke/K. Rappe-Giesecke: Supervision als Medium kommunikativer Sozialforschung, Ffm.1997.

Je nachdem, welcher Typ der Programme der Informationsdarstellung gewählt wird, entstehen andere Arten von Praxissystemen. Besondere Bedeutung kommt in den wissenschaftlichen Forschungssysteme dem Beschreiben zu.
Theoretische epistemische Interaktionssysteme prämieren das Beschreiben.

(Natur-)Beschreibungen in eigener Textgattung sind ein kulturelles Spätprodukt und in Koevolution mit den Wissenschaften seit der frühen Neuzeit entstanden.
In therapeutischen Kontexten domiert das Erzählen von (selbserlebten) Geschichten.
Die politischen Diskurse sind ohne Argumentationen kaum denkbar; sie profitieren noch immer von der antiken Rhetorik, die die Programme der Gerichtsrede, der politischen Rede usf. aufschlüsselt.

Wie für das NTD typisch sind die drei Textgattungen als Faktoren einer Trias zu verstehen, die also immer nur gemeinsam auftreten.Möglich sind nur radikale Prämierungen eines Faktors dieser für das NTD konstitutiven Basistriade. In allen Erzählungen findet man auch Beschreibungen und umgekehrt. Um Beschreibungen gegenüber Dritten zu plausibilisieren, wird (auch) argumentiert. Und manche Erzählungen dienen in der Kommunikation sowieso als Argument für die eine oder andere Überzeugung des Sprechers. Aber natürlich: Es ist für die meisten Fälle sinnvoll zu wissen, in welchem Programm/Film man sich befindet und um Gewichtungen kommt keine Praxis umhin.

lexikon, id1122, letzte Änderung: 2021-04-21 09:34:40

© 2021 Prof. Dr. phil. habil. Michael Giesecke