Lexikon des NTD®

Definitionen und Begriffsklärungen

Hier wird das Verständnis wichtiger Begriffe des Neuen Triadischen Denkens erklärt und, wenn nötig, von anderen Definitionen abgegrenzt.

Definitionen sind für das NTD eine heikle Angelegenheit, weil Begriffe nach seinem Verständnis jeweils nur für eine bestimmte Praxis, mindestens einem Praxistyp, dieselbe Geltung beanspruchen können. Die folgenden Definitionen entspringen einer speziellen epistemologischen Praxis und gelten auch dort. Die meisten Begriff behalten in epistemischer Praxis ihren Sinn. Manche Begriffe behalten ihre Gültigkeit auch bei der Anwendung auf anderen Feldern, andere sind sehr speziell. Übertragungen müssen also geprüft werden und ggfs. sind Modifikationen erforderlich. Es ist mit den Definitionen wie mit allen anderen tools: Ohne Anamnese und Diagnose der Anwendungssituation - also der Art der Praxis -, kein sinnvoller Einsatz.
Um die Übersicht zu erleichtern, werden Verlinkungen von Texten in der Tiefe auf 2 Stufen begrenzt: Links aus einem Lemma des Lexikons auf ein anderes - und auf Texte außerhalb des Lexikons, also z.B. auf die Axiomatik - sind möglich. Ebenso kann man von den verlinkten Objekten auf eine weitere Ebene verwiesen werden. Nach dieser 3. Ebene ist Schluß: Die in den Popups eingepflegten Links werden dann zwar angezeigt, sind aber nicht belegt. Will der Leser sie verfolgen, kann er direkt auf die verlinkten Lemma bzw. andere Texte gehen. Diese Einschränkung gilt nicht für die Verlinkung von Modellen.



Typen, logische =

ausführlich behandelt von Bertrand Russell und Alfred North Whitehead in ihrer Principia Mathematica (1910/1986, S.397ff.).
Im NTD werden die logischen Typen zur Konstruktion von → Ebenen (tektonische Dimension) im Denkraum herangezogen und ermöglichen den Übergang von → Strukturen zu → Architekturen.
Für Gregory Bateson, dem das NTD viele Anregungen verdankt, bildet die Typenlehre, die Russell und Whitehead zu Beginn des XX. Jahrhunderts vorgeschlagen und begründet haben, den Einstieg in die Erkenntnis- und Kommunikationstheorie überhaupt: „Unser Forschungsansatz beruht auf dem Teil der Kommunikationstheorie, den Russell die ‚Theorie der logischen Typen’ genannt hat. Die zentrale These dieser Theorie besagt, daß zwischen einer Klasse und ihren Elementen eine Diskontinuität besteht. Die Klasse kann weder ein Element ihrer selbst sein, noch kann eines ihrer Elemente die Klasse sein, da der für die Klasse gebrauchte Terminus einer anderen Abstraktionsebene – einem anderen logischen Typ – angehört, als die auf die Elemente anwendbaren Termini.“ (Ökologie des Geistes, 1983, S. 271/ Geist und Natur, 1984, S. 146)

Auch außerhalb der Fachkreise ist das von Jay Haley entwickelte Konzept des ‘Double-Bind’ bekannt geworden. Es erklärt schizophrene Phänomene als rekurrente Vertauschungen, also in der Sprache des NTD, eine 'unkontrollierte Oszillation' zwischen den ‘Ebenen’ der Kommunikation in Familiensystemen oder in dyadischen Systemen. Watzlawick/Beavin/Jackson haben diese Ideen in ihrem Bestseller ‘Menschliche Kommunikation’ aufgegriffen und in mehrere Richtungen entwickelt. Dadurch hat sich die Anwendungsbreite des Kategorienpaares weit ausgedehnt.
Als Typen logischer Ebenen und damit werden in dem Buch von Watzlawick et. al. aufgefaßt:
Das Verhältnis
• zwischen der ‘Sache’ und dem Namen der Sache,
• der ‘wörtlichen’ und der ‘übertragenen’ Bedeutung (Metapher, Ironie),
• der sprachlichen Äußerung (Namen) und Reflexionen über die Äußerung (Metakommunikation),
• der Klassifikation und Metaklassifikation (z.B. Geschwindigkeit und Beschleunigung, Art und Gattung),
• dem Lernen und dem Lernen des Lernens (und allen anderen Deuteropraxen) sowie
• der verbalen Äußerung und non-verbalen oder gestischen und mimischen ‘Äußerungen’ (den verschiedenen Kanälen der Kommunikation).
Auch N. Luhmann verwendet in seinen Arbeiten das Ebenenmodell. In seinem ‘Grundriß einer allgemeinen Theorie’ über ‘Soziale Systeme’ gibt er gleich eingangs eine explizite Einführung dieses Modells als ‘Abstraktionsschema’. (1984, S.16) In einer Skizze werden drei ‘Ebenen der Systembildung’ unterschieden. Auf der ersten Ebene liegt die ‘Systembildung’ der ‘allgemeinen Systemtheorie’: ‘Systeme’. Auf der zweiten Ebene werden die Typen ‘Maschine’, ‘Organismen’, ‘soziale Systeme’ und ‘psychische Systeme’ angeführt. Soziale Systeme werden auf einer dritten Ebene noch einmal in ‘Interaktion’, ‘Organisation’ und ‘Gesellschaften’ differenziert. „Die Unterscheidung von Ebenen soll fruchtbare Vergleichshinsichten festlegen.“ (Ebd. S. 17) Sie hat gleich allen anderen Taxonomien einen „mehr oder weniger intuitiven Ursprung“ (Ebd. S. 18) und normative Geltung: „Vergleiche zwischen verschiedenen Arten (!) von Systemen müssen sich an eine Ebene (!) halten.“ (Ebd. S. 17, ähnlich schon in der frühen 'Arbeit Interaktion, Organisation, Gesellschaft’,1975, S. 20/21) Die Unterscheidung ziwschen 'Arten' und 'Ebenen' ist nicht konsequent.

lexikon, id998, letzte Änderung: 2021-01-15 11:52:48

© 2021 Prof. Dr. phil. habil. Michael Giesecke